Waldböckelheim. Der SV Winterbach hat nach 120 Minuten davon 15 in doppelter Unterzahl nach Rückstand in der Verlängerung verdient im Elfmeterschießen triumphiert - hier das Spielprotokoll:

Anpfiff erfolgt pünktlich um 19 Uhr - schon nach zwei Minuten die erste Schrecksekunde, der pfeilschnelle Rechtsaußen Niklas Paulus sprintet in einen schwach geschlagenen Ball und setzt einen Heber übers Tor.

Anschließend reagiert der SV und holt sich gegen tiefstehende Schmittweilerer die Spielkontrolle. Dabei agiert die Mannschaft vor allem über links, wo Bastian Kessel ein ums andere Mal bis in den Straftraum vorstößt. Nach knapp 10 Minuten kommt der Ball auf Bene der sich drehen kann und den robusten aber schwerfälligen Innenverteidigern entkommt, aber dem herausstürzenden Torhüter Lucas Frenger den Ball in die Arme schiebt. Auch Jochen und Bastian kommen im Verlauf der ersten Hälfte frei vor dem Tor zum Abschluss, können aber nicht genug Druck entwickeln, um Frenger zu überwinden. Umgekehrt taten sich die Schmittweilerer sehr schwer, ihre Angriffe liefen fast ausschließlich über unsere linke Abwehrseite, wo Hirschi feststellen musste, dass sein Gegenspieler Niklas Paulus auch mit Ball noch schneller war als er. Die Standards, die wir in der Vergangenheit nicht gut gegen Schmittweiler verteidigten, hatten unsere Jungs hingegen - auch wenn es ab und zu wacklig aussah - im Griff.In der 18. Minute eröffnet Waldemar Strek den Kartenreigen nach einem (wiederholten) rüden Einsteigen gegen den heranbrausenden Bastian.

Alles in allem eine gute erste Halbzeit unseres Teams, wobei wir unsere wenigen klaren Chancen nicht nutzen konnten.

Zur zweiten Hälfte kommt Sven Bambauer für den verwarnten Strek für die SG. Doch während Schmittweiler offensiver werden will, legen wir erneut los wie die Feuerwehr. Schon nach wenigen Minuten muss Frenger einen Vorstoß über Basti Kessel unterbinden. In der Aktion verletzt sich Innenverteidiger Torben Kemries, der einige Minuten später vom Feld muss und durch Andreas Gros ersetzt wird.

Doch Schmittweilers Konter werden gefährlicher: der in die Innenverteidigung aufgerückte Tim Augustin erhält für sein zweites Foul im Spiel gelb. Kurz darauf muss Michi Großkopf einen Konter des Gegners im Vollsprint an der Außenlinie mit einem taktischen Foul unterbinden, wofür es glücklicherweise nur gelb gibt. Wäre der Ball in die Mitte gekommen wäre es brenzlig geworden. In der 55. Minute tankt sich Bastian erneut über rechts in den Strafraum und wird von seinem Gegenspieler gefoult: Den fälligen Strafstoß soll der an diesem Abend mit sich hadernde etatmäßige Schütze Jochen Schäfer. Doch seinen harten, aber halbhoch geschossenen Elfer fischt Frenger weg.

In der 70. erhält Bastian dann für eine Aktion gelb, der eher ein Foul seines Gegenspielers vorausging. Doch kaum drei Minuten später steht er nach einer schönen Aktion über Jochen in 14 Metern frei vorm Tor - und schießt an den Pfosten! Der musste drin sein...

Danach wird es langsam hektisch. Marco Reich wechselt sich in der 82. für den ebenfalls verletzt ausfallenden Christopher Geib ein, um das Ruder noch einmal herumzureißen. Prompt erhält er auch noch eine gute Schusschance, die er aber verzieht. Auch die Stürmer Specht, Paulus, Hellwich und Bambauer erarbeiten sich einige Halbchancen, bis es ihnen kurz vor Schluss zweimal in kurzer Folge gelingt frei vor Tim Warkus zum Abschluss zu kommen. Doch unser Keeper hält das Team mit zwei starken Reflexen im Spiel. Zum enen setzt Reich Lars Michel gut ein, der aber an Tim scheitert. Und auch Rene Specht scheitert am Winterbacher Keeper. Dazwischen holt sich Manu Warkus in der 83. eine gelbe Karte für ein Foul seines Gegenspielers an ihm ab, der dabei selbst zu Fall kommt.Kurz vor Schluss bekommt Hannes den Ball noch einmal auf seinen schwächeren linken Fuß und zieht Volley ab, doch Frenger ist wieder auf dem Posten.

Zwei Minuten Nachspielzeit - wir geraten etwas ins Schwimmen, retten uns aber in die Verlängerung.

Schmittweiler ist in der Schlussviertelstunde gut ins Spiel gekommen und am Drücker, hätte nach unseren zwei 1000-prozentigen Torchancen selbst in Führung gehen können.

Doch es geht weiter mit der Verlängerung.

Schmittweiler will sein Momentum nutzen und drängt nach vorn. Doch unser Team steckt nicht auf, befreit sich und spielt weiter auf Sieg. Mit einem unnötigen Foul holt sich Sascha in der 93. Minute eine verdiente gelbe Karte ab, nachdem er in der ersten Hälfte ein-, zweimal Glück bei seinen Aktionen hatte. Kurz darauf bekommt auch Bene gelb, nachdem Schmittweilers Käpten Daniel Stein einen tief gespielten Pass mit einer blitzschnellen Handbewegung zum Einwurf abfälscht, weil der Schiedsrichter Bene die Aktion zuschriebt, dies pfeift und ihm für Reklamieren dann die Karte zeigt. Auch Rene Specht holt sich für ein rüdes Foul in der 99. Minute eine weitere Karte für Schmittweiler ab.

Dann der Schock: Nach einem Ball über Niklas Paulus bekommen wir den Ball nicht hinten raus und Rene Specht scheitert erst am Warkus, der zur Ecke klärt. Die anschließende Flanke auf die Strafraumgrenze bekommen wir nicht kontrolliert und Reich rauscht in Karatekid-Manier heran und zieht durch: 1:0 für Schmittweiler in der 102. Minute. Sascha Weichel kam einen Schritt zu spät, rettet aber sein Scheinbein. Marco Reich, der anschließend einen Konter mit einem Handspiel unterbindet, kommt mit Freistoß und Ermahnung durch.

Ist das Spiel gelaufen?, fragen sich in dem Moment alle. Schmittweilers Spieler und Fans feiern.

Für Winterbach kommt es in der Nachspielzeit dieser Hälfte noch schlimmer: Nach einem Zweikampf kommt Manu Warkus ins Straucheln und sein Gegenspieler fällt in ihn hinein und stürzt. Foul - kann man vielleicht pfeifen - Absicht war es in keinem Fall. Doch Schiedsrichter Bösand bringt Farbe ins Spiel und gibt Manu für das vermeintliche Foulspiel gelb-rot. Darüber regt sich Bastian dann so auf, dass er ebenfalls mit gelb-rot gehen darf und fluchend vom Platz fliegt.

Kurze Pause... Schmittweiler hat Oberwasser

Zwei Mann weniger und 1:0 hinten, selbst die eingefleischten Fans des SV geben in diesem Moment keinen Pfifferling mehr auf ihren Verein. Und doch kommt es anders.

Mirko Schrot und Tobi Hirsch kommen für die letzten 15 Minuten für Marius und Marcel. Kay löst die Viererkette auf und spielt mit Tim und Michi hinten, der Rest soll noch einmal alles versuchen. Das scheint auch zu gelingen: Schmittweiler fällt wenig ein, statt die Überzahl auszuspielen, versucht es Marco Reichs Team mit langen Bällen nach vorn. Umgekehrt versuchen Hannes, Sascha und Bene sowie Tobi, Mirko und Jochen Torchancen herauszuarbeiten. Schmittweiler scheint etwas die Kraft auszugehen, Lukas Lingweiler und Christain Haas holen sich noch gelbe Karten ab, während auch Mirko für sein erstes Foul gleich abgestraft wird. Doch der Wille unseres Teams wird belohnt, immer näher tasten sich die Jungs ans Gehäuse von Lucas Frenger. Ein Freistoß Jochens bleibt noch in der Mauer hängen, aber in der 117. Minute bekommt Sascha den Ball in 13 Metern auf den Fuß und zieht ab. Ein Abwehrspieler wirft sich in den Ball und fälscht ihn zum nicht mehr geglaubten Ausgleich ein. Alle Winterbacher schreien ihr Glück hinaus - und auch die neutralen, selbst die Schmittweilerer Zuschauer gratulieren anerkennend zu dieser Leistung!

Die letzten zwei Minuten schafft das Team gegen demoralisierte Schmittweilerer auch noch und dann geht es ins Elfmeterschießen, dass Bene, Mirko und Jochen für uns mit weiteren Treffern erfolgreich gestalten, während Tim zweimal hält und den Pfosten auf seiner Seite hat.

Die Aufstellung:

Lucas Frenger - Lars Michel, Daniel Stein, Torben Kemries (54. Andreas Gros), Christian Haas - Christopher Geib (82. Marco Reich), Waldemar Strek (46. Sven Bambauer) - Niklas Paulus, Rene Specht, Dennis Helwich

Tim Warkus - Marcel Damian (106. Tobias Hirsch), Tim Augustin, Michi Großkopf, Marius Hirsch (106. Mirko Schrot) - Manu Warkus (G/R -105.), Sascha Weichel, Hannes Lenhart, Bastian Kessel (G/R -105.), Jochen Schäfer - Bene Bernd

Und dann wurde nur noch gefeiert... Humba, humba tätäräää